Seelsorge

Text Dr. Kokott

Buch




44Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.  

Mt 13, 44

Ich glaube, wir können den Inhalt dieses Gleichnisses vom Schatz sehr gut verstehen. Für uns alle, die wir sonntags in die Kirche kommen, kann ein solcher gemeinsame Schatz die Gemeinschaft der Gläubigen sein. Unser Schatz ist die Kirche – ein Ort der Begegnung, des gemeinsamen Gebets und des Glaubens.

Wir haben wunderschöne Kirchen. Doch zugleich müssen wir feststellen, dass in ihnen immer weniger Menschen zusammenkommen.

Hat dieser Schatz, die Kirche, seinen Wert verloren? Vielleicht sollten wir die Frage anders stellen: Hat der Glaube seinen Wert verloren?

Heute beklagen wir, dass es immer weniger Priester gibt. Doch vielleicht ist das nicht unser größtes Problem. Das größte Problem ist das immer geringere Bedürfnis, unseren Glauben durch die Teilnahme an der Sonntagsmesse zum Ausdruck zu bringen.

Die Zeiten haben sich verändert. Die Welt ist säkularer geworden. Viele Menschen haben am Sonntagvormittag andere Pläne und andere Interessen. Und es ist sicher nicht einfach, von jungen Menschen zu verlangen, jeden Sonntag in die Kirche zu kommen. 

Aber vielleicht können wir auch anders fragen: Könnte man nicht einmal im Monat kommen? Könnte man nicht einmal erfahren, worüber hier gesprochen wird? Könnte man nicht andere Menschen treffen – vielleicht sogar Menschen aus dem eigenen Dorf, Nachbarn, die man während der Woche kaum sieht?

Die Zeiten haben sich geändert, doch das bedeutet nicht, dass das Evangelium seinen Wert verloren hat oder dass Jesus aufgehört hat, zu uns zu sprechen. 

Die Kirche der ersten Christen war vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, die einander kannten und miteinander verbunden waren. Sie trafen sich in ihren Häusern und erzählten einander von Jesus. Ein niedergeschriebenes Evangelium, wie wir es heute kennen, gab es noch nicht. Der Glaube wurde vor allem von Mensch zu Mensch weitergegeben.

Als die Kirche später ihre Freiheit erhielt und sich weiterentwickelte, übernahmen Bischöfe und Priester zunehmend diese Aufgabe. Viele Laien blieben in der Kirche jedoch ohne eine konkrete Aufgabe. Und wohin hat das geführt?

Was geschieht, wenn in eine Kirche niemand mehr kommt?

Dann wird irgendwann die Frage gestellt: Was sollen wir mit diesem Gebäude machen? Und vielleicht ist die Antwort dann: Wir verkaufen es.

Damit unsere Kirche auch in Zukunft ein lebendiger Ort der Begegnung bleibt und nicht verkauft wird, braucht es uns alle. Wir müssen die Menschen in unserem Dorf einladen, damit sie sich selbst ein Bild machen können: davon, worüber wir hier sprechen, was wir gemeinsam feiern und welche Ideen und Vorschläge unsere Pfarre für uns hat.

Jemanden einzuladen bedeutet, sich Zeit für ihn zu nehmen. Vielleicht trifft man sich bei einer Tasse Kaffee. Vielleicht erzählt man einander vom eigenen Glauben. Vielleicht lädt man jemanden ein, einmal gemeinsam zur Sonntagsmesse zu kommen.

Heute braucht es gläubige Menschen, um unsere Pfarre zu erneuern. Unsere Pfarre braucht Christen, die ihren Glauben leben und bereit sind, ihn mit anderen zu teilen.

Sicherlich haben auch Sie Bekannte, die nicht oder nicht mehr in die Kirche gehen. Vielleicht lohnt es sich, sich mit ihnen zu treffen und sie einzuladen. Nicht mit Druck, sondern mit Offenheit. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit einer einfachen Einladung.

Unser Schatz ist der Glaube an Jesus, den wir in der Kirche zum Ausdruck bringen können. Und diesen Schatz dürfen wir nicht verstecken.

Vielleicht gibt es Menschen in Ihrem Umfeld, die schon vergessen haben, wie es in unserer Kirche von innen aussieht. Vielleicht können Sie ihnen helfen, diesen Ort wieder neu zu entdecken. Wir leben in neuen und sehr spannenden Zeiten. Diese Zeiten brauchen Menschen, die offen, lebendig und interessiert sind. Und genau das können Sie sein. Laden Sie Ihre Bekannten, Ihre Freunde und vielleicht sogar Ihre Nachbarn ein.

Der Schatz ist da. 

Der Glaube ist da. 

Die Kirche ist da. 

Und die Gemeinschaft ist da. 

 Die Frage ist nur: Sind wir bereit, diesen Schatz mit anderen zu teilen?

 


ARCHIV

  • 15. Sonntag

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  • Ostern ist vorbei

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  • Triduum Sacrum

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  • Missionar des 21. Jahrhunderts

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  • St. Annaberg  - Sanktuarium der Hl. Anna. Historisches Denkmal. Naturpark

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  • Sein Name war Leo

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